Von wegen Sense, Mann!

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Freund Hein, Gevatter Tod, Herr Schnitter: Vielfältig wie die Namen, die wir dem Tod geben, sind seine Erscheinungsformen und seine Instrumente. Doch sogar hier, auf dem schwärzesten Feld, kennt die Spottlust keine Grenzen.

Manche Männer scheuen keine Mühe, um zu beweisen, wie hart und »macho« sie sind. Sie spielen Rugby, stoßen Gewichte, geraten in Schlägereien, duschen mit eiskaltem Wasser, und manche tun all dies gleichzeitig. Nur die wenigsten könnten aber mit der Großtat des polnischen Bauern Krysztof Azninski mithalten, der wohl den Anspruch erheben darf, der härteste Mann Europas gewesen zu sein (…). Am fraglichen Tag betrank sich Azininski mit Freunden in einer Bauernscheune, als man beschloß, sich nackt auszuziehen und »ein paar Männerspiele zu spielen«. Anfangs wetteiferten die Kumpane darin, sich gefrorene Runkelrüben über den Kopf zu schlagen und sich mit Mistforken in den Hintern zu stechen. Dann nahmen die Dinge jedoch eine schlimme Wendung, als einer von ihnen eine Kettensäge ergriff und sich die Zehenspitzen abschnitt. Um nicht nachzustehen, packte Azninski die Säge und schwang sie sich mit den Schrei: »Paßt auf, ihr Waschweiber!« an den Hals und schnitt sich den Kopf ab. »Wie merkwürdig«, sagte einer seiner Gefährten, »in seiner Jugend trug er die Unterwäsche seiner Schwester, aber gestorben ist er wie ein Mann.« (Paul Sussman, Tod durch Spaghetti)

Für seine Tat erhielt der bedauernswerte Krysztof Azninski den Darwins Award , einen sarkastischen Preis für die sinnloseste, dümmste Art, sich um das Leben zu bringen. Ein Preis, für den sich jedes Jahr leider viele Anwärter aufdrängen.

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Mors certa – hora incerta?

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Der Tod ist gewiß – aber die Stunde? Über diese und viele andere Fragen des Todes hat der berühmte französische Philosoph Vladimir Jankelevitch gründlich nachgedacht.

Was aber nun unseren Todestag anbelangt, so führen uns pfiffige Versicherungsmathematiker mit statistisch relevanter Sicherheit ziemlich nah ans Ziel, nämlich zum genauen Zeitpunkt unserer schwersten Stunde. Es ist doch hübsch, nicht nur den Geburtstag, sondern auch den Tag zu wissen, an dem uns Freund Hein einst besuchen kommt. Oder etwa nicht?

Dann rechnen Sie mal nach!

 

Art of Being … Dead

https://i1.wp.com/www.literaturhaus-freiburg.de/wp-content/uploads/2018/09/slideGroup_282308_0_bw.jpgZeichnung: © Andreas Töpfer

„Klopfte man an die Gräber und fragte die Toten, ob sie wieder aufstehen wollten; sie würden mit den Köpfen schütteln.“ – Arthur Schopenhauer

Wie begegnen wir Freund Hein, diesem „Skandal der Schöpfung“ (Elias Canetti)? Mit Anstand? Verzweiflung? Stoischer Ruhe? Gründen Selbstmordvereine? Nach einer Wiederaufnahme von „Art of Being … Lazy“ (09.10., 20:15, Passage 46) widmen sich die Freiburger Autoren Jürgen Reuß und Stephan Kuß in der neuesten Ausgabe der Reihe den letzten Dingen.

Vertreter*innen der Weltliteratur wie Virginia Woolf, Joan Didion, Wolfgang Herrndorf, Lew Tolstoj und Daniel Kehlmann berichten von Begegnungen der letzten Stunde – manchmal auch von der Zeit danach. Mitgestaltet wird das literarische Endspiel wie stets von Schauspieler*innen des Theater Freiburg.

Datum: 05.12.2018, 20:15 Uhr
Ort: Theater Freiburg, Passage 46, Bertoldstraße 46

Art of Being … Lazy – Reloaded

Schöne Nachricht für alle Fans: Art of Being geht im Herbst weiter. Nächster Termin: 9. Oktober in der Theaterpassage.

„Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.“ – Friedrich Nietzsche

Nehmt das, ihr Selbst- und Fremdausbeuter, Arbeitsmoralisten, Ich-AGler, Turbokapitalisten und Ego-Optimierer und – lasst los. Zur Wiederaufnahme in der Theater-Passage drehen die Freiburger Autoren Jürgen Reuß und Stephan Kuß Weltliteratur erneut zu einem launigen Joint.

Art of Being Lazy

Garantiert rauchfreies Tune-in, absolut legales Drop-out. Ein lazy blend aus fein geschnittenen Texten unter anderem von Iwan Gontscharow, Herman Melville, Robert Walser, Evelyn Waugh, Georges Perec, J. J. Voskuil, Haruki Murakami, Beatles und Ror Wolf. Mitgestaltet wird der leichtfüßige Leseabend von Schauspielern des Theater Freiburg.

Das ist ja der Gipfel!

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Jodelschnepfe! – Winselstute! – Ratte! Der Firnis der Zivilisation ist dünn. Auch der Kleinbürger ist, wie Loriot uns beweist, für plötzliche Rückfälle in archaische Verhaltensmuster durchaus anfällig. Manchmal reichen Kleinigkeiten (etwa ein fehlendes Zitronencremebällchen), um aus einer gepflegten Unterhaltung am Restauranttisch ruckzuck einen geifernden Wutbürgerstammtisch zu machen.