Eine reizende, kugelrunde Null

Robert Walser

werde er einst sein, läßt der Schweizer Schriftsteller Robert Walser seinen Romanhelden  und Alter Ego Jakob von Gunten prophezeien. Von wegen Null! Von allen Flaneuren, Umher und Abschweifern, Spaziergängern, anarchistischen Leisesprechern und Büroarbeits-Unterlaufern – und vor allem Sprachkünstlern – war er eine ganz große Nummer. Wahrscheinlich die Größte.

Doch überzeugt Euch selbst.

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Yolo!

grille.jpgGenau: Yolo! „You only live once“. Dieses Motto, Pardon, Lebenseinstellung wurde schon einmal zum Jugendwort des Jahres gekürt. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Yolo bedeutet nicht, besonders emsig für die nächste Matheklausur zu pauken, um es dereinst am Lebensabend einmal warm und gemütlich zu haben.

»So!« sagt die Omeis hinwiderum; »so bist du gar ein saubrer Gesell! Hast du im Sommer können singen und pfeifen, so tu anjetzo im Winter tanzen und leide darneben gleichwohl Hunger; denn das Faulenzen bringt kein Brot ins Haus.« (Jean de La Fontaine)

Grille oder Ameise, Spaß oder Sparen, Musik oder Maloche, Baumkuchen oder Bausparkasse – auf diesen Gegensatz läuft es seit Äsop scheinbar immer hinaus. Du lebst heute auf Kosten von morgen – oder morgen auf Kosten von heute. Tja, keine einfache Wahl.

Daß es auch anders geht, zeigt die Interpretation der Fabel von der Grille und der Ameise von Walt Disney aus dem Jahre 1934. Sogar in der Zeit der wirtschaftlichen Depression wußten die Ameisen das sorglos-lässige Fideln der Grille zu schätzen. Na dann: Yolo!

Manchmal musst du „lazy“ auch mal schreien…

…anders kommst du nach sechs Minuten georgeltem, geschrammeltem und getrommeltem Rythm&Blues halt nicht zu Wort … lazy bis zum Äußersten, so dass „if you’re drowning you don’t clutch no straw…“

Und die nächsten zwei Stunden hier tiefenentspannen…

…bis du Lust hast, den Yogi mit einem tief empfundenen „don’t clutch no straw“ vom Stein zu Schubsen…

Aus Faulheit entsteht … Weltkunst!

 

Im Sommer 1909 bestellte der Impresario Sergej Diaghilew bei dem russischen Komponisten Anatoli Ljawow ein Märchenballett. Damit wollte er die neue Pariser Saison seiner berühmten „Ballett russes“ eröffnen. Eine Jahrhundertgelegenheit für den 54jährigen Komponisten. Nach Monaten des Wartens fragte der Impresario vorsichtig nach, wann das Werk denn wohl fertig sei? Die freundliche Antwort:

„Oh, lieber Sergej Pawlowitsch, es dauert gewiss nicht mehr lange – ich habe sogar schon das Notenpapier gekauft!“

Daraufhin wurde ein junger, noch völlig unbekannter Komponist namens Igor Strawinsky mit der Partitur des „Feuervogel“ beauftragt.

Welch wunderschöne, spätromantische Lieder aber auch Ljawow zu schaffen im Stande war – vorausgesetzt, man ließ ihm nur genug Zeit und Muße – beweisen seine wenigen Werke,  wie etwa „The Enchanted Lake“ aus dem Jahr 1909.