Art of Performing…

…über die wir nachdenken:

 

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Alchemie des Kapitals

«Wenn man die Geschichte betrachtet, dann kommt die moderne Chemie erst ungefähr in dem Augenblick auf und ersetzt die Alchemie, in dem der Kapitalismus richtig in Schwung kommt. Seltsam, wie? Was meinen Sie dazu?»

«Vielleicht ist der Kapitalismus zu dem Schluss gekommen, dass er die alte Zauberkunst nicht mehr braucht. Wozu sich noch damit abgeben, sie hatten ihre eigene Zauberkunst, funktionierte prima, vielen Dank, anstatt Blei in Gold zu verwandeln, konnten sie den Schweiß armer Leute nehmen, ihn in Geldscheine verwandeln und sich das Blei zur Durchsetzung von Ruhe und Gehorsam aufheben.»

(Thomas Pynchon: Gegen den Tag. Dt. von Nikolaus Stingl)

Art of … Making More Money

„Ich versteh’ es einfach nicht, wie ein ziemlich gebildeter Mensch sich ohne das nötige Kleingeld auf die Straße wagen kann – eine ganz unglaubliche Frechheit!“ – Paul Scheerbart

Die Freiburger Autoren Jürgen Reuß und Stephan Kuß verjubeln die Weltliteratur an der Börse. Versilbern sie auf dem Rücken der Werktätigen. Verblasen die Scheine in rauchenden Fabrikschloten. Ein Blankoscheck, unterschrieben unter anderem von Viktorija Tokarjewa, Ingo Schulze, Phebean Itayemi, William Gaddis, Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Nikolai Wassiljewitsch Gogol, Halldór Laxness, Mochtar Lubis, Pierre-Joseph Proudhon und Evelyn Waugh. Mitgestaltet wird der höchst spekulative Spaziergang durch die Weltliteratur von Schauspieler*innen des Theater Freiburg.

Zeichnung: © Andreas Töpfer

Veranstalter: Theater Freiburg, mit freundlicher Unterstützung des Carl-Schurz-Hauses und des Literaturhauses Freiburg

Datum: 02.04.2019, 20:15 Uhr
Ort: Theater Freiburg, Passage 46, Bertoldstraße 46
Eintritt: 12/8 Euro (VVK: Theater Freiburg)
Karten

 

 

 

Art of Being … Drunk II – cut-up, mash-up, hiccup

„Sie sehen verzweifelt aus“, sagt er mehrfach so nachdrücklich, dass ich ihm nicht widersprechen möchte. „Ich brauche was zu trinken“, erwidere ich. – Sibylle Berg

Es wird nachgeschenkt! Auf dem Tablett die erste Folge der gefeierten Reihe „Art of Being …“, für die Jürgen Reuß und Stephan Kuß Texte der Weltliteratur zu kunstvollen Kompilationen bündeln, im frischen Remix: Aus Zutaten von Sibylle Berg, Wenedikt Jerofejew, Banana Yoshimoto, Kalin Terzijski, Virgilio Díaz Grullón, Thomas Pynchon, Malcolm Lowry, Jörg Fauser und anderen Giganten am Glas und an der Schreibmaschine wird ein fantastischphantasievoller Cocktail gerührt. Unterstützt von Schauspieler*innen des Theater Freiburg führt der legere Abend auf eine Tour zwischen beschwipster Schaffenslust und durchzechter Epiphanie.

Veranstalter: Theater Freiburg, mit freundlicher Unterstützung des Carl-Schurz-Hauses und des Literaturhauses Freiburg

Datum: 05.02.2019, 20:15 Uhr
Ort: Theater Freiburg, Passage 46, Bertoldstraße 46
Eintritt: 12/8 Euro (VVK: Theater Freiburg)
Karten

Schnipp-schnapp? Oder ab in die Truhe?

Dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen – oder ihn wenigstens möglichst lange vom Hals halten – davon lebt eine ganze Industrie. Doch vor (möglicherweise) wirklich wirksamen Methoden schrecken die Menschen noch zurück. 954.jpg

Eine Studie an den Eunuchen des Kaiserlichen Hofs der Joseon-Dynastie (1392-1910) in Korea ergab, dass sie durchschnittlich zwanzig Jahre länger lebten als nichtkastrierte Männer. Interessanterweise traf das jedoch nur zu, wenn ihre Hoden vor dem Alter von fünfzehn entfernt worden waren. Geschah das nach Beginn der Pubertät und hatte der biochemische Einfluss des Testosterons schon eingesetzt, war der Unterschied weniger auffällig. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf den Fortbestand der menschlichen Rasse wäre es allerdings etwas extrem, wenn Männer versuchen wollten, sich durch eine frühzeitige Kastration noch weitere zwanzig Jahre zu erkaufen. (Sue Back, Alles, was bleibt)

Eine andere Methode ist die Kryonik. Hier lassen sich Menschen kurz nach ihrem Tod einfrieren in der Hoffnung, daß spätere, wissenschaftlich weit fortgeschrittene Generationen sie wieder auftauen und zum Leben erwecken – und dann hoffentlich nicht in den Zoo stecken.