Art of Being … Schwul

„James Baldwin – Hubert Fichte – Garth Greenwell –
Schwule Lebensentwürfe zwischen Selbstfindung und Strich“

Kleines Art of Being Spezial zur Schwulen Filmwoche in Freiburg am 1. Mai in der Passage 46

 

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Das ist ja der Gipfel!

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Jodelschnepfe! – Winselstute! – Ratte! Der Firnis der Zivilisation ist dünn. Auch der Kleinbürger ist, wie Loriot uns beweist, für plötzliche Rückfälle in archaische Verhaltensmuster durchaus anfällig. Manchmal reichen Kleinigkeiten (etwa ein fehlendes Zitronencremebällchen), um aus einer gepflegten Unterhaltung am Restauranttisch ruckzuck einen geifernden Wutbürgerstammtisch zu machen.

„Was sagt der Kerl?“

Sagt er das zu mir? Das ist doch stark! Das kann ich mir nicht gefallen lassen! Ah, so ein Ton! Da hört sich doch alles auf! Sie, halten Sie das Maul! (Artur Schnitzler, „Leutnant Gustl“)

Die Welt ist voller Kerle mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch. Hypertoniker der Marke Kohlhaase oder Gustl hat es zu allen Zeiten gegeben. (Und nicht nur in der Literatur.) Auch in den 70er Jahren mußten sich selbst gutmütige Mitbürger vor ziemlich schlecht gelaunten Chauffeuren in acht nehmen.

 

 

Wutbuerger

Zeichnung: © Andreas Töpfer

Cut-up, mash-up, fuck off
„Die Zeitalter sind schwachsinnig, der Staat ist
ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das
Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie
und zur Geistesschwäche verurteilt ist.“
– Thomas Bernhard
Finale ! In der sechsten und vorerst letzten Ausgabe
unserer Late-Night-Reihe verstärken die beiden
Autoren Jürgen Reuß und Stephan Kuß den Aufschrei
aufgebrachter Literaten: all die wutschnaubenden
Meckerer, rasenden Randalierer und keifenden
Kritikaster. Mit anschwellendem Furor erklingen
u.a. Elfriede Jelinek, Heinrich von Kleist, Markus
Orths, Esa Sariola, Herman Melville, Sara Gmuer,
William Shakespeare, William Gass, Christianna
Brand, Kristín Marja Baldursdóttir und Richard Russo.
Angeheizt wird der kollektive Wutausbruch von
Schauspielern des Theater Freiburg.

Datum: 27.02.2018, 21 Uhr
Ort: Literaturhaus Freiburg, Bertoldstraße 17
Eintritt: 9/6 Euro

 

Der neunte Tag des neunten Monats des Jahres 1899

Ein bezeichnendes Datum, nicht wahr? Es ist das Datum eines der ungezählten Tage, an denen Zeno Cosini, der Held des Schriftstellers Italo Svevo, mit seiner Obsession, dem Rauchen, Schluß zu machen beabsichtigte.

Täglich wechselten Zigaretten und strenge Vorsätze, nicht mehr zu rauchen, miteinander ab. Ja, um alles zu sagen, im allgemeinen ist es heute auch nicht anders. Die unendliche Reihe der „letzten Zigaretten“, die damals anfing, ist heute noch nicht abgeschlossen. Ich bin überzeugt, daß die Zigarette anders und bedeutsamer schmeckt, wenn sie die letzte sein soll. Auch andere können einen eigenen Geschmack haben, aber nie einen so intensiven. Die letzte Zigarette hat das Aroma des Gefühls eines Sieges über sich selbst, der Hoffnung auf eine baldige Ära voll Kraft und Gesundheit.

Wer wohl am Ende siegt? Die Obsession oder das „Selbst“?

Hier das entsprechende Kapitel aus „Zeno Cosini“ – leider nur auf italienisch. Auf deutsch gibt es den Raucherwahn neben vielen anderen Obsessionen und Autoren am 13. März in der Theaterpassage Freiburg.