Art of Being … Drunk II – cut-up, mash-up, hiccup

„Sie sehen verzweifelt aus“, sagt er mehrfach so nachdrücklich, dass ich ihm nicht widersprechen möchte. „Ich brauche was zu trinken“, erwidere ich. – Sibylle Berg

Es wird nachgeschenkt! Auf dem Tablett die erste Folge der gefeierten Reihe „Art of Being …“, für die Jürgen Reuß und Stephan Kuß Texte der Weltliteratur zu kunstvollen Kompilationen bündeln, im frischen Remix: Aus Zutaten von Sibylle Berg, Wenedikt Jerofejew, Banana Yoshimoto, Kalin Terzijski, Virgilio Díaz Grullón, Thomas Pynchon, Malcolm Lowry, Jörg Fauser und anderen Giganten am Glas und an der Schreibmaschine wird ein fantastischphantasievoller Cocktail gerührt. Unterstützt von Schauspieler*innen des Theater Freiburg führt der legere Abend auf eine Tour zwischen beschwipster Schaffenslust und durchzechter Epiphanie.

Veranstalter: Theater Freiburg, mit freundlicher Unterstützung des Carl-Schurz-Hauses und des Literaturhauses Freiburg

Datum: 05.02.2019, 20:15 Uhr
Ort: Theater Freiburg, Passage 46, Bertoldstraße 46
Eintritt: 12/8 Euro (VVK: Theater Freiburg)
Karten

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Schnipp-schnapp? Oder ab in die Truhe?

Dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen – oder ihn wenigstens möglichst lange vom Hals halten – davon lebt eine ganze Industrie. Doch vor (möglicherweise) wirklich wirksamen Methoden schrecken die Menschen noch zurück. 954.jpg

Eine Studie an den Eunuchen des Kaiserlichen Hofs der Joseon-Dynastie (1392-1910) in Korea ergab, dass sie durchschnittlich zwanzig Jahre länger lebten als nichtkastrierte Männer. Interessanterweise traf das jedoch nur zu, wenn ihre Hoden vor dem Alter von fünfzehn entfernt worden waren. Geschah das nach Beginn der Pubertät und hatte der biochemische Einfluss des Testosterons schon eingesetzt, war der Unterschied weniger auffällig. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf den Fortbestand der menschlichen Rasse wäre es allerdings etwas extrem, wenn Männer versuchen wollten, sich durch eine frühzeitige Kastration noch weitere zwanzig Jahre zu erkaufen. (Sue Back, Alles, was bleibt)

Eine andere Methode ist die Kryonik. Hier lassen sich Menschen kurz nach ihrem Tod einfrieren in der Hoffnung, daß spätere, wissenschaftlich weit fortgeschrittene Generationen sie wieder auftauen und zum Leben erwecken – und dann hoffentlich nicht in den Zoo stecken.

Von wegen Sense, Mann!

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Freund Hein, Gevatter Tod, Herr Schnitter: Vielfältig wie die Namen, die wir dem Tod geben, sind seine Erscheinungsformen und seine Instrumente. Doch sogar hier, auf dem schwärzesten Feld, kennt die Spottlust keine Grenzen.

Manche Männer scheuen keine Mühe, um zu beweisen, wie hart und »macho« sie sind. Sie spielen Rugby, stoßen Gewichte, geraten in Schlägereien, duschen mit eiskaltem Wasser, und manche tun all dies gleichzeitig. Nur die wenigsten könnten aber mit der Großtat des polnischen Bauern Krysztof Azninski mithalten, der wohl den Anspruch erheben darf, der härteste Mann Europas gewesen zu sein (…). Am fraglichen Tag betrank sich Azininski mit Freunden in einer Bauernscheune, als man beschloß, sich nackt auszuziehen und »ein paar Männerspiele zu spielen«. Anfangs wetteiferten die Kumpane darin, sich gefrorene Runkelrüben über den Kopf zu schlagen und sich mit Mistforken in den Hintern zu stechen. Dann nahmen die Dinge jedoch eine schlimme Wendung, als einer von ihnen eine Kettensäge ergriff und sich die Zehenspitzen abschnitt. Um nicht nachzustehen, packte Azninski die Säge und schwang sie sich mit den Schrei: »Paßt auf, ihr Waschweiber!« an den Hals und schnitt sich den Kopf ab. »Wie merkwürdig«, sagte einer seiner Gefährten, »in seiner Jugend trug er die Unterwäsche seiner Schwester, aber gestorben ist er wie ein Mann.« (Paul Sussman, Tod durch Spaghetti)

Für seine Tat erhielt der bedauernswerte Krysztof Azninski den Darwins Award , einen sarkastischen Preis für die sinnloseste, dümmste Art, sich um das Leben zu bringen. Ein Preis, für den sich jedes Jahr leider viele Anwärter aufdrängen.

Mors certa – hora incerta?

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Der Tod ist gewiß – aber die Stunde? Über diese und viele andere Fragen des Todes hat der berühmte französische Philosoph Vladimir Jankelevitch gründlich nachgedacht.

Was aber nun unseren Todestag anbelangt, so führen uns pfiffige Versicherungsmathematiker mit statistisch relevanter Sicherheit ziemlich nah ans Ziel, nämlich zum genauen Zeitpunkt unserer schwersten Stunde. Es ist doch hübsch, nicht nur den Geburtstag, sondern auch den Tag zu wissen, an dem uns Freund Hein einst besuchen kommt. Oder etwa nicht?

Dann rechnen Sie mal nach!